Die Arbeitsgruppe wurde im November 2009 von Mitgliedern der Research Area "Culture and Identities" ins Leben gerufen. Unter der Vielzahl der dort vertretenen Projekte zeigte sich im Laufe der Diskussionen, dass es mehrere Mitglieder gibt, die mit den konzeptionellen Schwerpunkten "ethnische" bzw. "nationale Identität" arbeiten und darüber hinaus mit ihrem Projekt im östlichen Europa und an den Professuren des Gießener Zentrum östliches Europa (GiZo) verankert sind. Das Ziel ist daher, neben der bewusst in einem weit gesteckten kulturwissenschaftlichen Forschungsfeld angesiedelten Research Area, ein Forum zu schaffen, um die theoretische Diskussion an das eigene Projekt konkret rückzubinden und auf das östliche Europa übertragen zu können. Der Mehrwert interdisziplinärer Perspektiven bleibt insofern gewahrt, als dass die beteiligten DoktorandInnen ein breites Spektrum geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen abdecken. Vertreten sind momentan: die Osteuropäische Geschichte, Politikwissenschaft, Slavistische Literatur- und Sprachwissenschaft, Turkologie sowie die Romanistik.
Der regionale Schwerpunkt auf das östliche Europa gewährleistet jenseits des Identitätskonzeptes eine gemeinsame Diskussionsgrundlage für alle Beteiligten. Ohne die Heterogenität der unter diesem Begriff versammelten politischen, sozialen und kulturellen Mehr- und Minderheiten aufheben zu wollen, bietet er die Möglichkeit, ähnliche Entwicklungen oder aber eminente Unterschiede in vergleichender Perspektive zu beleuchten.
Mit der Fokussierung auf den osteuropäischen Raum wird zudem der institutionellen Anbindung der Mitglieder an das Gießener Zentrum östliches Europa Rechnung getragen. Die geographische Breite der in der Arbeitsgruppe vertretenen Forschungsprojekte ist im Sinne des GiZo-Konzeptes vom östlichen Europa, das unter anderem die Türkei und türksprachige postsowjetische Staaten einschließt.
Die bisher vertretenen Projekte stecken ein Interessengebiet ab, das neben der Analyse von Erinnerungspolitik die Konstruktion ethnischer Identität von Minderheiten behandelt, sich mit dem Einfluss postsowjetischer Sprachpolitik auf die Lexik befasst, nach der Durchsetzung von Minderheitenschutzrechten fragt oder die Verfahren literarischer Identitätskonstruktionen in den Blick nimmt.
Unabhängig davon, ob Mehrheits- oder Minderheitengruppen untersucht werden, bilden sowohl multiethnische als auch multinationale Staaten im östlichen Europa die Folie für die einzelnen Dissertationsprojekte.
Während der Treffen der Arbeitsgruppe ging bzw. geht es zunächst darum, das in den jeweiligen Projekten verwendete Identitätsverständnis zur Diskussion zu stellen und die Anwendung exemplarisch darzulegen. Auf diese Weise sollen theoretische sowie methodische Gemeinsamkeiten und Überschneidungen zwischen den Projekten ersichtlich werden. Andererseits ist aufgrund der disziplinären Heterogenität der Projekte offensichtlich, dass die Verwendung und Bedeutung zentraler Begriffe und Konzepte differieren. Ausgehend von den in den Projektvorstellungen aufgeworfenen Fragen und Diskussionspunkten, sollen die weiteren Sitzungen der vertiefenden Lektüre dienen. Die Organisation von Workshops ist ebenfalls geplant.
Als Ziele der gemeinsamen Arbeit sind neben der Schärfung des verwendeten Begriffsinstrumentariums auch die Identifizierung von Forschungsdesideraten zu nennen sowie der Versuch, durch neue Synthesebildungen innovative Zugänge zu den von den Mitgliedern bearbeiteten Themen zu erproben.
Alle Interessenten, die sich angesprochen fühlen, sind herzlich willkommen.
Mitglieder
- Ruth Bartholomä
- Ulrich Hofmeister
- Aksana Braun
- Paul Srodecki
- Katharina Bauer
- Claudia Lichnofsky
- Daniel Müller
- Felix Münch
- Saltanat Rakhimzhanova
Sprecher der AG
Ulrich Hofmeister und
Ruth Bartholomä